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Existenzkampf der Südsami

LIEBE EUROPÄER, WIR BRAUCHEN EURE STIMME!
Landrechtskonflikte bedrohen die Existenz schwedischer Sami.


Wir, das Volk der Sami (früher abschätzig “Lappen” genannt) sind die letzte Urbevölkerung Europas.

Unsere lappländische Heimat, Sápmi, sind die nördlichen Tundren und Taigawälder Norwegens, Schwedens, Finnlands und der russischen Kola-Halbinsel. Wie seit Jahrtausenden ist das Rentier auch noch heute wichtigster Teil unseres Lebensunterhaltes und unserer kulturellen Identität.

Doch ähnlich wie unsere Brüder, die Indianer Nordamerikas, verloren wir während der Neubesiedlung und den Staatsgründungen auf dem Boden unserer Heimat, jegliches Recht auf eigenes Land. Durch unsere Einstellung zur Schöpfung „wir können Mutter Erde nicht besitzen, aber wir dürfen sie nutzen“, war uns jeglicher Besitzanspruch fremd. Das wurde uns zum Verhängnis.

Zwar gewährte man unseren Rentierherden (gegen Bezahlung hoher Steuern) weiterhin das notwendige Weideland, veräußerte dann jedoch einen Großteil der Gebiete im südlichen Lappland an private Waldbesitzer. Von diesen werden wir Sydsami bis heute verklagt, verjagt und das einst zugesagte Gewohnheitsrecht auf die lebenswichtige Winterweide unserer Rentiere wurde uns wieder aberkannt. Ironischerweise sollen wir jetzt vier Milionen Euro und für jedes weitere Jahr, in dem unsere Rentier-Herden durch die Wälder ziehen, 400.000,- Euro Schadensersatz bezahlen. Hinzu kommen hunderttausende Euro an Gerichtskosten.

Der Staat Schweden beobachtet schweigend unseren Untergang ohne einzugreifen und bisher haben wir alle Prozesse zur Erhaltung unserer letzten Existenzrechte verloren. Da wir als schwedischen Rentiersami zahlenmäßig eine absolute Minorität darstellen (ca. 3.000 Menschen), scheint unser Schicksal im globalen Weltgeschehen nicht von großem Interesse und somit besiegelt zu sein.

Aber wir wollen überleben, kämpfen weiter und versuchen nun unser Existenzberechtigung in letzter Instanz vor dem europäischen Gerichtshof zu erlagen.

Renrajd-Uwe
im Namen von Mittådalens Sameby
und STIFTELSE ORRE PRAEDTIEH, Funäsdalen



Schwedische Südsami am Rande des Ruins
Verhandlungen im sogenannten „Härjedalen-Prozess“ gehen weiter.


Die Rentierwirtschaft ist eine der elementarsten Merkmale der samischen Kultur. Seit Jahrtausenden leben die Sami mit und vom Rentier. Zunächst als Jäger, dann als Züchter. Wie schon früher, so wird auch heute noch das Überleben einer Herde, und somit seiner Besitzer durch die verschiedensten Faktoren bestimmt.

Da ist zunächst die Häufigkeit und somit die Gefahr durch Raubwild (Bär, Wolf, Luchs Vielfraß und Adler). Heutige Arten-und Tierschutzgesetze sorgen für große Verluste innerhalb der Herden ohne Entschädigungsanspruch. Des weiteren durchtrennen immer häufiger Verkehrsadern und touristische Anlagen (Skipisten usw.) die Zugrouten der Tiere. Fallende Rentierfleischpreise machen allen skandinavischen Rentierzüchtern zusätzlich zu schaffen.

Doch vor der weitaus größten Existenbedrohung stehen nun die schwedischen Südsami in den Provinzen Nord-Dalarna, Härjedalen und Jämtland.

Seit dem Jahr 1991, der schwedische Staat verkaufte damals staatliches Waldland an private Waldbesitzer, wird den dort seit Urzeiten lebenden Bergsami das ehemals verbriefte Recht auf Winterweide in den Waldtälern abgesprochen. Die Sommerweidegründe der betroffenen Sami-Dörfer befinden sich in den Hochgebirgen entlang der norwegischen Grenze. Um diese nutzen zu dürfen, bezahlen die Sami eine hohe Zusatzsteuer (daher der Name „Renskattefjäll). Zum Winter jedoch, wenn im Gebirge keine Nahrung mehr zu finden ist, ziehen die Herden ca. 300 km durch die Flusstäler gen Süd-Osten. Ihr Ziel, die überlebenswichtigen, schützenden Taigawälder. Es ist seit Jahrtausenden der gleiche Reiseweg, der den Lebenszyklus des Rens und somit den der Sami bestimmt. In den staatlichen Wäldern und den Waldteilen die im Besitz der meisten großen Holzkonzerne sind, wird den Sami das Gewohnheitsrecht der Urbevölkerung auf unentgeldliche Nutzung bis heute gewährt.

Jedoch die neuen Besitzer der jetzt privatisierten Wälder verwehren nun den Rentierherden den Zugang zur Winterweide und verlangen bei Zuwiderhandlung Schadensersatz. Den betroffenen Sami-Gruppen steht jedoch keine andere Möglichkeit der Überlebenssicherung ihrer Herden zur Verfügung. Also bat man von samischer Seite die Regierung um Hilfe und Vermittlung. Diese wurde jedoch abgelehnt. Im Gegenzug wurde von den Waldbesitzern eine Dokumentation gefordert, aus der ersichtlich ist, dass die dort lebenden Samistämme auch die wirklichen Ureinwohner dieses Gebietes seien und diese somit auch das Gewohnheitsrecht zur Nutzung des Landes hätten.

Es folgten Expertisen, Felduntersuchungen und wissenschaftliche Nachweise, wie z.B. von Prof.Dr Loise Bäckmann und Dr. Inger Zagrisson von der Universität Umeå. Sie bestätigten das schon vorher bekannte Verbreitungsgebiet der Südsami und somit das ehemals von König und Staat gewährte Recht auf ewige Nutzung (nicht Besitz!). Aber auch diese Tatsache wurde von den rechtsprechenden Institutionen ignoriert.

Unterdessen verklagen ca. 600 Waldbesitzer die betroffenen fünf Samigemeinden. Ein Drittel der Kläger haben ihren Wohn – und Firmensitz ausserhalb der betroffenen Gebiete und agieren z. B. von Südschweden und Stockholm aus.

Den ersten Prozess vor dem Amtsgericht in Sveg / Härjedalen im Jahre 1996 verloren die Sami. Auch ein weiteres Urteil des höchsten schwedischen Gerichtshofes im Jahre 2004 entschied gegen die Rentierleute. Allein das kleine, acht Familienbetriebe zählende, Rentierdorf Mittådalen hat in Folge des Urteils rund 25-30 Prozent seines Winterweidelandes verloren.

Zusätzlich verlangt man lt. Gerichtsbeschluß für die „illegale Waldnutzung“ in den Jahren 1996 bis 2004 vier Millionen Euro und für jedes weiter Jahr 400.000,- Euro Entschädigung von den fünf Sami-Dörfern Mittådalen, Handölsdalen, Tåssåsen, Ruvten Sijte und Idre Nya.

Desweiteren soll jedes Mitglied der betroffenen Sámebyar (Dörfer) mit sofortiger Wirkung 5.600,-- Euro in einen sogenannten Schadensfond einbezahlen, aus dem sich die Waldbesitzer im „Bedarfsfall“ bedienen können. Außerdem fordern die Waldbesitzer das Abschussrecht für jedes Rentier, das nicht innerhalb von 30 Tagen von seinem Eigentümer vom „verbotenen Land“ geholt wird.

Dem Wirtschaftsfaktor „Privatwald“ steht selbst der Staat Schweden und die eigentlich für sámische Angelegenheiten zuständige Sami-Ministerin Ann-Christin Nykvist machtlos und handlungsunfähig gegenüber. Ein Vorschuss zum Bestreiten der bisher entstandenen Gerichtskosten von ca. zwei Millionen Euro, den die Sami aus dem Samefond erhielten, muß nun bis Ende Juli 2005 zurückgezahlt werden.

Betrachtet man die zusammenkommenden Summen und weiß um den finanziellen Existenzkampf einer rentierzüchtenden Samifamilie, kann man die lähmende Zukunftsangst der stillen Rentierleute, die niemals Land besitzen - sondern es nur benutzten wollten, verstehen. Die Verschuldung pro Kopf  ist nicht zu begleichen. Die Situation scheint auswegslos.

Obwohl die samische Rentierhaltung dreißig Prozent der ökonomischen Substanz der betroffenen Kommune Härjedalen ausmacht, wird dieser Wirtschaftszweig im neu erstellten Haushaltsplan bereits nicht mehr aufgeführt. Man rechnet offensichtlich schon jetzt mit dem Bankrott der Sami. Eine nicht verwunderliche Prognose, wenn man weiß, dass sich im Kreise der Kläger auch ein einflussreicher Kommunalrat befindet. Unterdessen werden weiterhin samische Einrichtungen in den Provinzen Nord-Dalarna, Jämtland und Härjedalen sabotiert und Sami öffentlich beschimpft, denunziert und angegriffen. Die Situation erinnert an die Geschichte der Indianer Nordamerikas.

Doch einen Rest Glauben an die Gerechtigkeit haben sich die Südsami bewahrt. Sie wollen die neue Institution Europas wahrnehmen und haben ihre Sorgen dem europäischen Gerichtshof in Den Haag vorgetragen.
Wir bangen und hoffen mit ihnen.
 
Euer Renrajd-Uwe
Lappland-Nachrichten
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